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22.08.2009

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Geschichte der Woche!

Brauner Biber

So hieß der kleine Indianer, der aus einer engen, hässlichen Siedlung am Rande einer nordamerikanischen Großstadt stammte. Die Zeiten, in denen seine Vorfahren als stolze, freie, unbesiegbare Männer in den endlosen Prärien des Westens jagten und Fallen stellten, waren längst vorbei.

Brauner Biber war nun, als er alt genug geworden war, von seinem Vater bei einer bekannten Familie in der Nähe einer größeren Schule untergebracht worden. Er sollte jetzt diese Schule besuchen und nur jeweils übers Wochenende nach Hause kommen. Brauner Biber war oft niedergeschlagen. Er konnte sich gar nicht mehr so recht freuen. Das Lernen machte ihm wenig Schwierigkeiten. Aber er litt unter der Trennung von Eltern und Geschwistern. Außerdem bedrückte es ihn, dass er von seinen weißen Schulkameraden wegen seiner anderen Hautfarbe verachtet wurde. Man schob ihn zur Seite, stellte ihn hinten an und machte sich lustig über ihn. Und wenn bei irgendeinem bösen Streich der Schuldige gesucht wurde, dann sollte er’s gewesen sein.

Als Brauner Biber wieder einmal übers Wochenende heimkam, erklärte er seinen Eltern, dass er nie wieder zur Schule gehen wolle. Er könne das Verhalten der weißen Kinder nicht mehr länger ertragen. Lange saß er am Abend mit seinen Eltern zusammen und klagte ihnen sein Leid. Ach, sie verstanden ihn gut. Ähnliches hatten auch sie oft genug erfahren müssen. Aber sie kannten auch den Herrn Jesus. Vater und Mutter waren schon länger sein Eigentum. Und deshalb konnten sie ihrem Jungen auch wieder Mut machen und ihn trösten: »Versuch es noch einmal! Wir beten für dich! Sei tapfer, glaube an den Herrn Jesus! Wurde nicht auch Er ohne Grund abgelehnt? Wurde nicht auch Er verspottet?«

Brauner Biber kehrte wieder in die Schule zurück. Bald kam der Winter. Es schneite fast jeden Tag. In seinen freien Stunden war Brauner Biber oft draußen im Freien. Dort wusste er bald überall gut Bescheid. Von seinem Vater hatte er so manches gelernt, wovon die Kinder in der Stadt kaum Ahnung hatten. Er baute kleine Fallen, stellte sie an versteckten Stellen auf und fing kleines Raubzeug, dessen Fell besonders wertvoll ist. So verging ihm auch die Zeit schneller, denn fast immer war er ja allein. Wieder einmal hatte er mehrere Bisamratten gefangen. Als er die Tiere seinen Schulkameraden zeigte, lachten die nur. Charly, einer der ältesten von ihnen, war besonders frech. Er meinte: »Typisch Indianer!« Das sei wohl auch so ziemlich alles, was der kleine »Nager« fertig bringe. Aber das stimmte, wie Charly sehr genau wusste, durchaus nicht. Der Klassenlehrer war mit Braunem Biber und seinen Leistungen sehr zufrieden.

Inzwischen war der Fluss zugefroren. Die Jungen wollten Schlittschuhe und Hockeyschläger holen und sich am Fluss treffen. Brauner Biber schaute ihnen nach, wandte sich dann um und ging dem Wald zu. Dort wollte er nach seinen übrigen Fallen sehen. Es dunkelte bereits, als er auf dem Heimweg war, mit dem Sack auf seinem Rücken. Als er in die Nähe des Flusses kam, glaubte er eine Stimme zu hören. Ob seine Schulkameraden noch immer Eishockey spielten? Er blieb stehen und lauschte. Wieder hörte er eine Stimme. Da rief doch jemand um Hilfe! Brauner Biber rannte nun dem Fluss zu, lief an dessen Ufer entlang und begann dabei, sich durch lautes Rufen selbst bemerkbar zu machen. Wieder blieb er kurz stehen. Und da hörte er die Stimme ganz in seiner Nähe. Er eilte darauf zu.

Da hockte einer unterhalb der hohen Uferböschung auf einer Baumwurzel. Es war Charly. Dieser war zuletzt noch ganz allein am Fluss gewesen. Seine Kameraden hatten sich bereits über die hohe Böschung auf den Heimweg begeben. Er hatte auf dem Eis noch ein paar Runden gedreht, hatte ihnen folgen wollen, war dann aber an der Böschung abgerutscht und hatte sich den Knöchel verstaucht. Es hatte zuerst nur ein wenig weh getan, so hatte Charly nicht gedacht, dass er schon nach wenigen Minuten nicht mehr laufen konnte. Und bis zu seinem Elternhaus war es weit. Zunächst schraubte Brauner Biber dem verletzten Charly die Schlittschuhe von den Schuhen. Dann half er ihm mit äußerster Kraft die hohe Böschung hinauf. Oben mussten sie lange ausruhen, bis sie weitergehen konnten. Ganz behutsam setzten sie beide Fuß vor Fuß. Charly biss tapfer die Zähne zusammen, obwohl ihm vor Schmerzen immer wieder die Tränen kamen. Der Fuß war inzwischen stark angeschwollen, und der Junge wagte kaum noch aufzutreten. Brauner Biber stützte Charly beim Gehen. Er schleppte daneben noch seinen Sack mit den Bisamratten und den Fallen und auch Charlys Schlittschuhe und den Hockeyschläger. Anfangs sprach keiner der Jungen ein Wort.

Der große Charly schaute immer wieder verstohlen zu dem kleinen Indianer an seiner Seite hin. Scham schnürte ihm die Kehle zu. »Brauner Nager« hatte er diesen hilfsbereiten Jungen genannt. Als sie wieder einmal stehen blieben, um auszuruhen, sagte Charly: »Kannste mir verzeihen?« Es wurde für die beiden ein sehr langer und mühsamer Heimweg. Charlys Eltern sorgten sich schon um ihren Jungen. Als dann auch Brauner Biber endlich heimgehen konnte, standen die Sterne schon lange am Himmel. Charly und Brauner Biber blieben Freunde während ihrer ganzen gemeinsamen Schulzeit.